Firmengeschichte der Adler-Motorräder


1880


Geschichte
Die Adler-Fahrradwerke, die ihre Fahrräder zunächst in Frankfurt am Main, Gutleutstraße 9 (das Haus ist nicht erhalten), produzierten, wurden 1880 von Heinrich Kleyer als Heinrich Kleyer GmbH gegründet. 1889 entstand im Frankfurter Gallusviertel zwischen Höchster Straße (heutige Kleyerstraße) und Weilburger Straße auf einem Areal von 18.000 Quadratmetern eine Fabrik mit 600 Arbeitsplätzen. Dort wurden auch Dreiradwagen und Voiturette-Autos produziert, die mit Motoren von De Dion ausgerüstet waren. Ständige Betriebserweiterungen führten 1895/1896 zur Umwandlung in die Aktiengesellschaft Adlerwerke vorm. H. Kleyer AG, die ein Grundkapital von 2,5 Millionen Mark aufwies, auf das bereits 1898 eine Dividende von 20 Prozent gezahlt werden konnte. 1898 wurde auch die Produktion von Schreibmaschinen in einem siebengeschossigen Fabrikhochhaus an der Weilburger Straße begonnen.
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Adler Standard Ornament


1901



Ab 1901 kamen auch Motorräder mit De-Dion-Motoren hinzu. 1902 unternahm der Schriftsteller Otto Julius Bierbaum mit einem Adler 8-PS-Wagen eine Italienreise, die er in dem Buch Eine empfindsame Reise im Automobil beschrieb. 1903 übernahm der Ingenieur Edmund Rumpler das Konstruktionsbüro von Adler und entwickelte die ersten eigenen Motoren, die 1904 in Produktion genommen wurden. Adler war 1905 der erste deutsche Autohersteller, der Motor und Getriebe miteinander verblockte. Von 1907 bis nach dem Zweiten Weltkrieg wurden keine Motorräder mehr hergestellt. Auf der Internationalen Luftfahrt-Ausstellung 1909 stellte das Unternehmen Prototypen von Luftschiffmotoren vor. Zwischen 1910 und 1912 wurde in drei Bauabschnitten eine monumentale Fabrikanlage in historisierenden Formen errichtet, deren zinnenbewehrte Türme auch heute noch bereits von weitem zu sehen sind. Adler Werbung  Frankfurt 1907.png
Adler Werbung  Frankfurt 1907



1914



Im Jahre 1914 stammten 20 Prozent der in Deutschland zugelassenen Personenwagen von Adler. Vier Jahre nach dem Ersten Weltkrieg beschäftigte das Unternehmen mit Zweigwerken in weiteren zehn Städten 10.000 Arbeiter und Angestellte. 1930 war die Zahl auf 3.000 gesunken, um bis zum Zweiten Weltkrieg wieder auf 7.000 zu steigen. In der ersten Hälfte der 1930er-Jahre lagen die Adlerwerke (nach Opel und Auto Union) meist an dritter Stelle der Pkw-Neuzulassungen in Deutschland und wurden 1936 endgültig von Mercedes-Benz auf Rang 4 verdrängt. 1926 erschien das ErfolgsmodellStandard 6, von dem bis 1934 etwa 20.000 Exemplare gebaut wurden. Das Modell war am Chrysler orientiert und konnte so den damaligen Entwicklungsvorsprung der seinerzeit in Europa sehr erfolgreichen amerikanischen Fahrzeuge aufholen. 1928 kam auf der gleichen technischen Basis das Achtzylindermodell Standard 8 und 1929 der Vierzylinder Favorit hinzu. 1930 entwarf der ehemalige Leiter des Bauhauses, Walter Gropius, neue Karosserien, renovierte das Markenzeichen und fungierte als Berater der Firmenleitung. Eine Zusammenarbeit, die wegweisend war und die die 'Kubuslimousine' zum neuen Paradigma machte, sich aber nicht zuletzt wegen der Weltwirtschaftskrise ebenso schwierig erwies wie die zeitgleiche Liaison von Gropius-Freund Le Corbusier mit der französischen Auto-Entrepreneur Voisin. Adler Motorrad 1902
Adler Motorrad 1902


1931



Von 1931 bis 1935 war nach dem Konkurs seines eigenen Unternehmens Hans Gustav Röhr Konstrukteur bei den Adlerwerken. Er entwickelte den 1932 vorgestellten Adler Trumpf, ein Mittelklassefahrzeug, das sich durch Einzelaufhängung aller Räder und den damals noch ungewöhnlichen Frontantrieb auszeichnete. 1934 folgte ebenfalls mit Frontantrieb der Kleinwagen Adler Trumpf Junior, von dem bis 1939 über 100.000 Exemplare produziert wurden. Insgesamt stellten die Adlerwerke etwa 210.000 Automobile her. 1935 trennte sich Adler von dem Luftfahrtbetrieb Flugzeugbau Max Gerner. Adler M 100.JPG
Adler M 100


1935



Ab November 1935 war der von Steyr Daimler Puch kommende Karl Jenschke Chefkonstrukteur und entwickelte den Adler 2,5 Liter Autobahnwagen in der damals neuartigen Stromlinienform.
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Adler M200


1944



Am 22. März 1944 wurden die Adlerwerke bei einem Luftangriff schwer beschädigt. In der Folge wurden große Teile der Produktion ausgelagert. Die Fertigung von Schützenpanzerfahrgestellen und Motoren verblieb aber vor Ort. Arbeitskräfte fehlten, selbst Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen standen nicht mehr zur Verfügung. Daher beantragte die Unternehmensleitung von Wirtschaftsverwaltungshauptamt die Zuweisung von KZ-Häftlingen. Dies wurde auch umgesetzt, die Häftlinge wurden auf dem Gelände im Werk I an der Weilburger Straße untergebracht. Zwischen August 1944 und dem 24. März 1945 wurden rund 1.600 Menschen in das Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof mit dem Decknamen Katzbach gebracht. Etwa ein Sechstel starb im KZ-Außenlager selber, ein Großteil der weiteren Gefangenen wurde aber, wenn sie zu schwach zum Arbeiten wurden, zur Vernichtung in andere Lager verbracht, so dass letztlich nur ein geringer Teil der in den Adlerwerken Eingesperrten überlebt hat. Am 24. März 1945 wurden etwa 400 Häftlinge auf einem Todesmarsch über Hanau, Schlüchtern, Fulda und Hünfeld nach Buchenwald getrieben. Adler RS 250ccm 1953.JPG
Adler RS 250ccm 1953


1948



Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die erhaltenen Anlagen der Frankfurter Automobilfertigung durch die amerikanische Besatzungsmacht beschlagnahmt und durften nicht benutzt werden. Bis 1948 hoffte man, wieder mit der Produktion von Autos beginnen zu können. Diese Hoffnung zerschlug sich durch den Generaldirektor Ernst Hagemeier, der nach seiner Rückkehr aus der Internierung 1948 die Wiederaufnahme des Automobilbaus verhinderte. Nach dem Verlust der Automobilfabrik wurde das Produktprogramm grundlegend geändert. Neben Fahrrädern und Büromaschinen sollten auch Motorräder und Werkzeugmaschinen hergestellt werden. Mit eigenen Motorrädern kam Adler 1949 auf den Markt. In den 1950er-Jahren baute Adler sehr beliebte und sportliche Motorräder. Das Topmodell war die MB 250 S (Sportversion) mit einem Zweitakt-Zweizylinder, der im Straßenbetrieb 18 PS leistete. 1955 kam mit dem Adler Junior auch ein 100-cm³-Motorroller ins Programm, um den nachlassenden Motorradabsatz aufzufangen.
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Adler Motorrad


1957


Nach dem Zusammenschluss mit Triumph entstand die Triumph-Adler AG. 1957 wurde das Unternehmen von Grundig übernommen, was das Aus für die Motorradproduktion bedeutete. Auch die späteren Eigentümer Volkswagen und Olivetti beschränkten sich auf Büromaschinen.


Typentafel Motorräder



Typ Bauzeit Motor Hubraum Motorleistung Geschwindigkeit
Modell 1
Modell 2
Modell 4
1902
1903
1904–06
Dion
1 Zyl.
1 Zyl.

1,75 PS
2,0 PS
2,5 PS

Modell 8 1905–06 1 Zyl.
2,5 PS
Modell 12 1906–07 1 Zyl.
2,5 PS
Modell 9
Modell 17
1905–06
1907–08
1 Zyl.
3,0 PS
Modell 13 1906 1 Zyl.
3,0 PS
Modell 14 1906–07 2 Zyl.
3,0 PS
Modell 10
Modell 18
1905–06
1907–08
2 Zyl.
4,0 PS
Modell 15 1906 2 Zyl.
4,0 PS
M 60 1947–48 1 Zyl. 2-Takt 60 cm³ 2,2 PS
M 100 1949–54
1955–56
1 Zyl. 2-Takt 98 cm³ 3,75 PS (5200/min)
4,1 PS
70 km/h
70 km/h - Sozius 60 km/h
M 125 1952–56 1 Zyl. 2-Takt 123 cm³ 5,6 PS/6,8 PS (5750/min) 80 km/h / 88 km/h
M 150
MB 150
1951–53
1954–56
1 Zyl. 2-Takt 147 cm³ 6,8 PS
8,4 PS (5840/min)

95 km/h
M 2011
MB 201
1954–56 1 Zyl. 2-Takt 199 cm³ 10,5 PS (5700/min) 100 km/h
M 200
MB 200
1951–53
1954–57
2 Zyl. 2-Takt 195 cm³ 9,3 PS
11,4 PS (5450/min)
95 km/h
101 km/h
M 250
MB 250
Favorit
1952–53
1954–56
1956–57
2 Zyl. 2-Takt 247 cm³ 16 PS (5590/min) 116,5 km/h
M 250S
MB 250S
Sprinter
1952–53
1954–56
1956–57
2 Zyl. 2-Takt 247 cm³ 18 PS (6200/min) >120 km/h



  • Adler MB 250 G (Geländemaschine, 18 PS)
  • Adler MB 250 RS (Spezialausführung der MB 250 S, 26 PS, 160 km/h)


       

QUELLE: WIKIPEDIA 2014